A 66: Lückenschluss und Tunnel Neuhof

Der Verlauf der A 66 folgt im Landkreis Fulda dem historischen Handelsweg zwischen Frankfurt und Leipzig und stellt die überregional wichtige Verbindung zwischen Fulda und dem Rhein-Main-Gebiet dar. Nach der Wiedervereinigung bekam der Lückenschluss eine noch höhere Priorität. Der rund 21 Kilometer lange Abschnitt von der Grenze des Main-Kinzig-Kreises bis zur A 7 wurde in fünf Planungsabschnitte unterteilt, die in Abständen zwischen 1998 und 2006 mit Planfeststellungsbeschluss zum Baurecht führten. Die bauliche Realisierung erfolgte in vier Bauabschnitten.

1. Bauabschnitt: Eichenzell

Im Dezember 1998 starteten die Bauarbeiten des ersten Bauabschnitts Eichenzell zwischen der B 27 und der A 7. Der Anschluss an die vierstreifige Bundesstraße wurde zur neuen Anschlussstelle Fulda-Süd umgebaut. Der Anschluss an die A 7 erfolgte als klassisches Autobahndreieck. Eine besondere Herausforderung stellte das Bauen unter Verkehr sowie die Errichtung von sechs neuen Brückenbauwerken dar. Das Kernstück bildete dabei die 500 Meter lange Fuldatalbrücke, die auf zwölf Pfeilern in knapp zweijähriger Bauzeit entstand. Die Baukosten haben rund 40 Millionen Euro betragen. Seit Dezember 2005 kann das Autobahnteilstück durchgängig vierstreifig befahren werden.

2. Bauabschnitt: Flieden

Im November 2000 erfolgte der Spatenstich des zweiten Bauabschnitts Flieden zwischen Schlüchtern-Nord und Neuhof-Süd. Dieser gut acht Kilometer lange Abschnitt schließt an die bestehende A 66 an der Kreisgrenze Main-Kinzig / Fulda an. Die Trasse läuft ab dort parallel zur DB Strecke Fulda-Frankfurt und führt bis zur Ortslage Neuhof, die hier mit der Anschlussstelle Neuhof-Süd an die Autobahn angebunden wurde. Hessen Mobil baute 14 neue Brücken, sicherte Hänge ab und bewegte rund 800.000 Kubikmeter Boden. Die Baukosten haben rund 85 Millionen Euro betragen. Die Strecke wurde im Oktober 2007 für den Verkehr freigegeben.

3. Bauabschnitt: Kerzell

Der dritte Abschnitt Kerzell, zwischen Neuhof-Nord und der B 27 startete im Oktober 2005. Die Baukosten haben rund 36 Millionen Euro betragen. Der 3,5 Kilometer lange Bauabschnitt ist seit November 2012 für den Verkehr freigegeben.

4. Bauabschnitt: Neuhof – Tunnel Neuhof

Der vierte Bauabschnitt Neuhof, zwischen Neuhof-Süd und Neuhof-Nord startete ebenfalls im Oktober 2005. Die Bauabschnitte drei und vier wurden teilweise baulich überlappend hergestellt. Der 3,5 Kilometer lange vierte Bauabschnitt stellt den Lückenschluss im Landkreis Fulda und den technisch anspruchsvollsten Teilabschnitt dar. Herzstück ist der 1,6 Kilometer lange Tunnel in offener Bauweise im Bereich der Ortslage Neuhof. Um den Tunnel zu realisieren wurde der Flusslauf der Fliede verändert, das gesamte Ver- und Entsorgungsnetz der Gemeinde und anderer Versorger neu konzipiert sowie die innerörtliche Hauptverbindungsbrücke über Schiene, Straße und Gewässer abgebrochen und neu errichtet.

Das Tunnelbauwerk verläuft im südlichen Abschnitt als Einhausungsbauwerk, das später überschüttet wurde. Die verlegte Fliede fließt unter dem Tunnel hindurch. Im mittleren Abschnitt taucht der Tunnel in das Gelände und das Grundwasser ein. Die Tunneldecke verläuft hier knapp unter dem Oberflächenniveau, sodass in diesem Abschnitt ein neuer Bahnsteig und Abgänge zur Fußgängerunterführung direkt an der Tunnelaußenwand errichtet wurden. Im nördlichen Abschnitt durchläuft das Bauwerk einen Bergrücken mit einer Überschüttung von bis zu 13 Meter.

Der Tunnel hat eine Fahrbahnbreite von 7,50 Meter je Fahrtrichtung sowie seitliche Notgehwege von jeweils einem Meter. Hinzu kommen jeweils zwei gegenüberliegende Nothaltebuchten mit verschließbaren Überfahrten in der Tunnelmittelwand. Fünf Fluchttüren ermöglichen eine Rettungsmöglichkeit in die jeweils andere Röhre. Zusätzlich wurden fünf weitere Rettungswege hergestellt, die direkt ins Freie führen. Die Arbeiten wurden in einem großen gemeinsamen Bauvertrag zwischen Schiene, Straße und gemeindlichen Anlagen umgesetzt. Die vertragliche Federführung oblag dabei Hessen Mobil. Die Gesamtkosten für dieses letzte Teilstück betrugen rund 118 Millionen Euro zuzüglich 60 Millionen Euro für die Realisierung der Deutschen Bahn-Maßnahmen und eine Million Euro für die P+R Anlage der Gemeinde Neuhof. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 340 Millionen Euro, wovon 279 Millionen Euro der Bund getragen hat.

Mit der Eröffnung des Tunnels Neuhof am 14. September 2014 ist die A 66 vom Autobahndreieck Fulda bis nach Frankfurt am Main erstmals durchgängig befahrbar.