Häufige Fragen - Brücken in Hessen

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Talbrücke Haiger
Talbrücke Haiger

Stand: 09.08.2019

1. Wie werden Brücken in Hessen geprüft?

Brücken und insbesondere Autobahnbrücken in Hessen unterliegen einem besonderen engmaschigen Kontrollsystem, damit Schäden und Beeinträchtigungen von Brücken frühzeitig entdeckt werden und Hessen Mobil entsprechend eingreifen und reagieren kann.

Dabei unterscheiden wir zwei Arten von Prüfungen:

Zum einem gibt es die regelmäßigen Bauwerksprüfungen. Nach DIN 1076 "Ingenieurbauwerke im Zuge von Straßen und Wegen, Überwachung und Prüfung" prüft und überwacht Hessen Mobil die Brücken. Alle sechs Jahre erfolgt eine Hauptprüfung, alle drei Jahre dazwischen Zwischenprüfung. Zudem werden Ingenieurbauwerke jedes Jahr durch Ingenieure vor Ort besichtigt und mind. zweimal jährlich erfolgt die Bauwerksbeobachtung im Zuge der Streckenkontrolle. Die Brücken werden hinsichtlich Standsicherheit, Verkehrssicherheit und Dauerhaftigkeit geprüft. Dabei werden Mängel und Schäden erfasst, bewertet, dokumentiert und wenn ggf. vorbeugend behoben.

Zum anderen gibt es die anlassbezogene Nachrechnung von Brücken. Diese findet statt, wenn sich aus der regelmäßigen Prüfung Hinweise ergeben, dass die Tragfähigkeit oder Dauerhaftigkeit der Brücke beeinträchtigt sein könnte. Dabei wird auch der „Ermüdungszustand“ der Brücke ermittelt. Das bedeutet, dass aufgrund der Lkw-Überfahrten die Brücke nicht nur statisch, sondern auch dynamisch hoch belastet, d.h. permanent Schwingungen ausgesetzt wird. Dadurch machen sich „Ermüdungen“ von Materialien und Bauteilen bemerkbar, die zu einer eingeschränkten Belastbarkeit führen können.

Auf dieser Grundlage kann berechnet werden, wann grundlegende Sanierungen bzw. Ersatzneubauten notwendig werden. Zudem kann durch eine Entlastung der Brücke die Nutzungsdauer verlängert werden.

2. Durch welche Maßnahmen kann eine Brücke entlastet werden?

Es gibt zwei mögliche Maßnahmen. Zum einen sind dies verkehrsbehördliche Maßnahmen. Darunter fallen Geschwindigkeitsbeschränkungen, z.B. für Lkw, Gewichtsbeschränkungen, ggf. Durchfahrtverbote für Lkw oder Einschränkung der Fahrstreifen (s. A 44 Bergshäuser Brücke). Zum anderen sind dies bauliche Maßnahmen wie Verstärkungsmaßnahmen oder Unterstützungen. Schließlich findet ein ständiges „Monitoring“ statt. Hessen Mobil beobachtet das Bauwerk laufend vor Ort oder misst die Belastungen, um so rechtzeitig Verformungen oder mögliche weitere Schäden festzustellen.

3. Was haben Hessen und Hessen Mobil darüber hinaus unternommen?

Um die Planungen zur Sanierung der Autobahnbrücken bestmöglich zu bündeln, hat Hessen Mobil zwei neue Dezernate eingerichtet, die ausschließlich Brückenerneuerung betreiben:

  • Das Dezernat „Planung und Bau A 45“ zur Erneuerung der Brücken auf der A 45
  • Das Dezernat „Task Force Brückenerhaltung“ am Standort Marburg, das die verschiedenen Teilleistungen der Planung von Brücken in einer Organisationseinheit bündelt.

Das Land Hessen hat in 2018 rund 745 Millionen Euro in Bundesfernstraßen und Autobahnen investiert. Rund ein Viertel davon in die Brückensanierung und –erneuerung. In 2019 investiert Hessen rund 225 Millionen Euro in die Brückensanierung und –erneuerung, bis 2022 sind fast 750 Mio.€ Investitionen geplant.

2018 wurden insgesamt 49 Brückenerhaltungsmaßnahmen begonnen. 55 wurden abgeschlossen, 32 Projekte laufen im Jahr 2019 weiter. Hinzu kommen 66 neue Vorhaben wie die Erneuerung der Talbrücke Langenschwarz (A 7), der Talbrücke Götzenhof (A 7) oder des Darmstädter Kreuzes (A 5/ A 67) in 2019. Auch die Verstärkung der Taubensteinbrücke in Wetzlar an der B 49 beginnt dieses Jahr.

4. Was wurde in den vergangenen Jahren bei den Brücken verändert?

Das Bundesverkehrsministerium (BMVI) hat ab 2010 zahlreiche Brücken durch die Länder als Auftragsverwaltung nachrechnen lassen, um das Sicherheitsniveau aufgrund gestiegener Verkehrsbelastungen und Achslasten nochmals anzuheben. Dabei wurden Rechenverfahren angewandt, die Rückschlüsse auf Tragfähigkeit, Ermüdungsverhalten und Dauerhaftigkeit der Konstruktion ermöglichen. Das BMVI hat eine Strategie zur Ertüchtigung dieser Straßenbrücken im Bestand der Bundesfernstraßen bis 2030 entwickelt, die es unter Berücksichtigung der Verkehrsbedeutung und Verkehrsbelastung ermöglicht, über notwendige Brückenverstärkungen oder Brückenerneuerungen zu entscheiden. Hessen hat die Investitionen in die Brückenerhaltung an Bundesfernstraßen deutlich erhöht und aus den entsprechenden Sonderprogrammen des Bundes erhebliche Mittel abnehmen können.

5. Welche Brücken in Hessen haben welche Benotung?

Im Zuständigkeitsbereich von Hessen Mobil befinden sich ca. 5.500 Brücken (ohne Kreisstraßen) die nach DIN 1076 geprüft werden. Die Anzahl der Brücken mit Instandsetzungsbedarf (Zustandsnote > 2,9) beträgt z.Zt. 341. Die meisten dieser Bauwerke sind im Bau, in der Planung oder die Fertigstellung der Baumaßnahme erfolgt noch in diesem Jahr.

Top Ten der Brückenbaumaßnahmen nach Baukosten
Stand: August 2019 / größere Ansicht beigefügte Datei unten im Text

6. Welche Brücken in Hessen sind in einem "kritischem" Zustand?

Von den 341 Bauwerken gibt es 50 Bauwerke, die ständig überwacht werden. Der Großteil davon (41) befindet sich auf Autobahnen. Das heißt, bei diesen Brücken schauen wir sehr genau hin, wie sich der Zustand entwickelt, um im Fall der Fälle auch kurzfristig eingreifen zu können. In den letzten beiden Jahren konnten wir den Bestand an kritischen Bauwerken um annähernd 10 % reduzieren. Besonders hervorzuheben sind die Erneuerungen der Talbrücken Münchholzhausen und Lützelbach (A 45) sowie die Fertigstellung der ersten Brückenhälfte der Schiersteiner Brücke (A 643).

Für Brückenbauwerke ist nicht nur die Menge des Gesamtverkehrs entscheidend, sondern vielmehr die Tatsache, dass der Anteil des Güterverkehrs in den letzten Jahrzehnten überproportional zugenommen hat. Aktuelle Prognosen weisen auf weitere Steigerungen hin. Zurückblickend haben sich in den letzten 50 Jahren die zulässigen Gesamtgewichte für Lkw von 24 Tonnen auf 44 Tonnen nahezu verdoppelt, die zulässigen Achslasten wurden von sieben auf 11,5 Tonnen angehoben, was die Brücken vorzeitig altern und verschleißen lässt. Der Streusalzeinsatz ab den 1970er Jahren ist ein weiterer verantwortlicher Faktor für gravierende Schäden an Bauwerken mit den möglichen Folgen von Nutzungseinschränkungen.

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