Häufige Fragen - Stau

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Häufige Fragen - Stau
Häufige Fragen - Stau

1. Wieso gibt es Staus?

Staus können verschiedene Ursachen haben: Sie entstehen, wenn das Straßennetz aufgrund von hohem Verkehrsaufkommen überlastet ist oder, wenn unvorhergesehene Ereignisse wie Unfälle, aber auch planbare Ereignisse wie zum Beispiel Baustellen, den Verkehrsablauf stören. Dieser Effekt verstärkt sich, wenn beide Faktoren gleichzeitig eintreten: Ist eine Strecke hoch ausgelastet, kann schon die geringste Störung dazu führen, dass der Verkehrsfluss erheblich beeinträchtigt wird.

2. Wie ist die Situation in Hessen?

In Hessen sind täglich mehr als 2 Millionen Fahrzeuge unterwegs. Die durchschnittliche tägliche Verkehrsbelastung aller Autobahnen in Hessen beträgt ca. 66.000 Kfz/24h. Das sind rund 30 Prozent mehr als der Bundesdurchschnitt von ca. 51.000 Kfz/24h. Auf den Autobahnen im Rhein-Main-Gebiet treffen Pendlerverkehr und Fernverkehr aufeinander. Das Frankfurter Kreuz hat zum Beispiel eine tägliche Verkehrsbelastung von 368.000 Kfz/24h. Die extrem hohe Verkehrsbelastung ist ein wesentlicher Faktor für die Entstehung von Staus. Je mehr Fahrzeuge auf einer Strecke unterwegs sind, desto störanfälliger ist diese. Deswegen ist davon auszugehen, dass es in absehbarer Zeit weiterhin Staus in Hessen geben wird, zumal die Verkehrsbelastung weiterhin zunimmt.

Hessen belegte beim ADAC Stauranking 2017 bundesweit einen Platz im Mittelfeld, obwohl Hessens Autobahnen die höchste Verkehrsdichte aller Flächenländer aufweisen. „Nirgendwo sind jeden Tag so viele Autos unterwegs wie auf hessischen Autobahnen. Die Spitzenwerte im Rhein-Main-Gebiet liegen viermal so hoch wie im Bundesdurchschnitt. Und die Tendenz ist weiter steigend“, so der hessische Verkehrsminister Tarek Al-Wazir.

3. Wann ist der Stau ein Stau?

Ein Stau auf Autobahnen liegt dann vor, wenn die mittlere Kfz-Geschwindigkeit in einem Minutenintervall unter 35 km/h abfällt, gleichzeitig die dadurch bestimmte Staulänge mindestens 1 km beträgt und dieser Zustand mindestens fünf Minuten anhält. Verkehrsteilnehmer nehmen diesen Zustand meist als "Schrittgeschwindigkeit" wahr.
Die Fahrzeuge werden durch Sensoren erfasst, die in oder über der Fahrbahn angebracht sind. In Hessen gibt es insgesamt 5.000 dieser Sensoren Gemessen werden die Verkehrsmenge und die Geschwindigkeit von Pkws und Lkws. Die Sensoren können also feststellen, wie viele Fahrzeuge mit welcher Geschwindigkeit fahren. In der VZH laufen alle von den Sensoren erfassten Daten zusammen und werden analysiert. Hierbei entsteht ein umfassendes und aktuelles Bild von der Verkehrslage.

4. Warum gibt es so viele Baustellen?

Unsere Straßen sind in die Jahre gekommen und müssen saniert werden. Neben den klassischen Sanierungsarbeiten rücken verstärkt die Brücken in den Fokus.
Hinzu kommt: Eine Straße braucht Pflege. Denn Faktoren wie altersbedingter Substanzverlust, extreme Witterungsbedingungen und hohe Verkehrsbelastungen hinterlassen Spuren. Wir prüfen deswegen regelmäßig die Straßen und Bauwerke. Bei Mängeln und Schäden reagieren wir sofort mit entsprechenden Sanierungsmaßnahmen.

5. Warum reiht sich gefühlt eine Baustelle an die andere?

Während Umleitungsstrecken von Baustellen freigehalten werden, ist es sinnvoll Baustellen in einem Streckenzug zu bündeln. Dadurch werden Baumaßnahmen nicht auf viele Jahre verteilt. Da die Leistungsfähigkeit des Streckenzuges schon durch eine Baustelle reduziert wird, kann man diesen Effekt auch positiv nutzen, indem Baustellen in einem Streckenzug gebündelt werden. Zwischen den Baustellen müssen dann allerdings Erholungsstrecken vorhanden sein. Die Summe der Baustellen in einem Streckenzug soll 17 km pro 100 km Streckenlänge nicht überschreiten.

6. Warum werden die Baustellen vor allem in die Ferien (Sommerferien) gelegt?

Die Verkehrsdaten für den Zeitraum der Sommerferien aus den vergangenen Jahren zeigen, dass der tägliche Pendlerverkehr aufgrund der Urlaubszeit um bis zu zehn Prozent abnimmt. Hessen Mobil nutzt diesen Effekt und realisiert möglichst viele Baumaßnahmen in den Sommerferien. Um dabei den Verkehrsablauf so wenig wie möglich zu beeinträchtigen, sind in Hessen in der Regel alle Fahrstreifen in einer Baustelle befahrbar. Zusätzlich verzichtet Hessen Mobil auf Tagesbaustellen am ersten und letzten Ferienwochenende, da sich hier Pendler- und Reiseverkehr überlagern; hier kann es in den Spitzenstunden zu einem erhöhten Verkehrsaufkommen kommen.

7. Warum wird nicht öfter nachts gebaut?

Nachts steigt das Sicherheitsrisiko für Beschäftigte. Zudem bedeuten Nachtarbeiten einen hohen technischen und logistischen Aufwand - die Gefahr von Fehlern und Unfällen steigt an. Auch sind nicht überall die benötigten Materialien rund um die Uhr verfügbar. Die Baumaßnahmen werden durch den erhöhten organisatorischenAufwand und hohe Nebenkosten, wie Zuschläge auf Löhne und Materialkosten, entsprechend teurer. Zudem gilt auch für Baustellen: zu laut darf es nicht werden vor allem nicht nachts.

8. Warum sieht man niemanden auf der Baustelle?

Eine verlassene Baustelle kann mehrere Ursachen haben: Der Beton härtet aus und in dieser Zeit darf niemand die Baustelle betreten. Bestimmte Baustoffe sind abhängig von der Außentemperatur, die nicht zu hoch beziehungsweise zu niedrig sein darf. Gleiches gilt für die Witterung. Bei Regen ist die Verarbeitung von bestimmten Baustoffen wie Beschichtungen, Markierungen, etc. nicht möglich. Schließlich gibt es noch "unsichtbare" Arbeiten: Reparaturen von Brücken oder Unterführungen, die unter oder neben der Fahrbahn stattfinden.

9. Warum werden nicht mehr Seitenstreifen (TSF) freigegeben?

Mit dieser Maßnahme lässt sich in einem hoch belasteten Autobahnnetz die Kapazität erhöhen und gleichzeitig Staus erheblich reduzieren. TSF werden dort eingerichtet, wo die Kapazität der vorhandenen Fahrstreifen nicht ausreicht, um die Verkehrsmengen in den Spitzenstunden abzuwickeln. Dies ist in Hessen der Fall im z.B. im Zuge der A 3 oder der A 5.
100 km von 2.000 Richtungskilometern (also Fahrbahnen in je einer Richtung) sind bisher nutzbar, geplant sind insgesamt 340 Kilometer. Die Steuerung dieser Maßnahmen geschieht automatisiert: Ein Computersystem erkennt kritische Belastungszustände, die Freischaltung übernimmt ein/e Mitarbeiter/in der Verkehrsleitzentrale. Die Freigabe erfolgt erst kurz vor Eintritt einer Stausituation, umgekehrt wird die Freigabe auch relativ schnell wieder zurückgenommen, um den Seitenstreifen wieder als Pannenstreifen zur Verfügung zu haben.

10. Was tun wir in Hessen, um noch mehr Staus zu verhindern?

Die Verkehrszentrale Hessen (VZH) ist das zentrale Nervensystem der intelligenten Straße in Hessen. Rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche beobachten Operatoren in der VZH das Verkehrsgeschehen und die einwandfreie Funktion der eingesetzten Systeme. Jederzeit haben sie die Möglichkeit, einzugreifen und Maßnahmen zu ergreifen. Ein kontinuierlich erweitertes Netz an Videokameras zur Verkehrsbeobachtung unterstützt die Beurteilung des Verkehrsablaufs durch Livebilder von der Straße, die über ein Lichtwellennetz in der Verkehrszentrale eintreffen.
Als besonders effektive Maßnahmen der intelligenten Verkehrssteuerung haben sich dabei die temporäre Seitenstreifenfreigabe (TSF) sowie der Einsatz von Streckenbeeinflussungsanlagen (SBA) oder von Netzbeeinflussungsanlagen erwiesen.

Eine weitere Maßnahme gegen Staus ist die koordinierende Baustellenplanung. Das hessische Baustellenmanagement ist ein Beispiel dafür, wie durch Neustrukturierung interner Planungs- und Genehmigungsprozesse, unterstützt durch ein intelligentes IT-System, Staus präventiv vermieden werden können. Maßgeblich ist dabei die Grundregel, dass in Hessen nur dann eine Baustelle eingerichtet werden kann, wenn die prognostizierte Verkehrslage keine Stausituation erkennen lässt. Hierfür gibt es Regeln, die bei der Planung von Baustellen zu berücksichtigen sind. Das dafür in Hessen entwickelte Slotmanagementsystem unterstützt dabei so, dass das Planen einer Baustelle so einfach funktioniert wie das Buchen eines Flugtickets.

Darüber hinaus wurden hessische Autobahnen auf über 280 Streckenkilometern mit Streckenbeeinflussungsanlagen (SBA) ausgestattet. Mithilfe von Wechselverkehrszeichenanlagen kann jederzeit der Verkehrsfluss situationsbedingt harmonisiert und damit auch bei höheren Auslastungen aufrechterhalten werden. Bei Stau, Unfällen oder auch witterungsbedingten Einschränkungen können die Verkehrsteilnehmer rechtzeitig gewarnt und die Geschwindigkeit kann im Zulauf auf die Störung herabgesetzt werden.

Seit 2005 werden dynamische Wegweiser mit integrierten Stauinformationen, sogenannte dWiSta, eingesetzt, mit denen die Verkehrsteilnehmer detailliert über die Lage, die Ursache und das Ausmaß von Störungen sowie die empfohlene Alternativroute informiert werden können. dWiSta ermöglichen auf flexiblen digitalen Textanzeigen z.B. die Angabe der zu erwartenden Reisezeitverzögerung. Dadurch steigt die Akzeptanz der Alternativroutenempfehlung und damit die stauvermeidende Wirkung der Anlagen. Derzeit gibt es 35 dWiSta hessenweit.

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