Brücken in Hessen

Brücken in Hessen unterliegen einem besonderen engmaschigen Kontrollsystem, damit Schäden und Beeinträchtigungen von Brücken frühzeitig entdeckt werden und Hessen Mobil entsprechend eingreifen und reagieren kann.

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Drohnenaufnahme Brücke über Bundesstraße

1. Wie werden Brücken in Hessen geprüft?

Wir unterscheiden zwei Arten von Prüfungen:

Zum einem gibt es die regelmäßigen Bauwerksprüfungen. Nach DIN 1076 "Ingenieurbauwerke im Zuge von Straßen und Wegen, Überwachung und Prüfung" prüft und überwacht Hessen Mobil die Brücken. Alle sechs Jahre erfolgt eine Hauptprüfung, alle drei Jahre dazwischen Zwischenprüfung.

Zudem werden Ingenieurbauwerke jedes Jahr durch Ingenieure vor Ort besichtigt und mind. zweimal jährlich erfolgt die Bauwerksbeobachtung im Zuge der Streckenkontrolle. Die Brücken werden hinsichtlich Standsicherheit, Verkehrssicherheit und Dauerhaftigkeit geprüft. Dabei werden Mängel und Schäden erfasst, bewertet, dokumentiert und wenn ggf. vorbeugend behoben.

Zum anderen gibt es die anlassbezogene Nachrechnung von Brücken. Diese findet statt, wenn sich aus der regelmäßigen Prüfung Hinweise ergeben, dass die Tragfähigkeit oder Dauerhaftigkeit der Brücke beeinträchtigt sein könnte. Dabei wird auch der „Ermüdungszustand“ der Brücke ermittelt.

Das bedeutet, dass aufgrund der Lkw-Überfahrten die Brücke nicht nur statisch, sondern auch dynamisch hoch belastet, d.h. permanent Schwingungen ausgesetzt wird. Dadurch machen sich „Ermüdungen“ von Materialien und Bauteilen bemerkbar, die zu einer eingeschränkten Belastbarkeit führen können.

Auf dieser Grundlage kann berechnet werden, wann grundlegende Sanierungen bzw. Ersatzneubauten notwendig werden. Zudem kann durch eine Entlastung der Brücke die Nutzungsdauer verlängert werden.

Im Zuständigkeitsbereich von Hessen Mobil befinden sich ab 2021 rund 5000 Brücken auf Bundes-, Landes-, und Kreisstraßen, die nach DIN 1076 geprüft werden.

2. Durch welche Maßnahmen kann eine Brücke entlastet werden?

Es gibt zwei mögliche Maßnahmen. Zum einen sind dies verkehrsbehördliche Maßnahmen. Darunter fallen Geschwindigkeitsbeschränkungen, z.B. für Lkw, Gewichtsbeschränkungen, ggf. Durchfahrtverbote für Lkw oder Einschränkung der Fahrstreifen. Zum anderen sind dies bauliche Maßnahmen wie Verstärkungsmaßnahmen oder Unterstützungen.

Schließlich findet ein ständiges „Monitoring“ statt. Hessen Mobil beobachtet das Bauwerk laufend vor Ort oder misst die Belastungen, um so rechtzeitig Verformungen oder mögliche weitere Schäden festzustellen.

3. Was haben Hessen und Hessen Mobil darüber hinaus unternommen?

Das Land Hessen hat in 2018 rund 745 Millionen Euro in Bundesfernstraßen und Autobahnen investiert. Rund ein Viertel davon in die Brückensanierung und –erneuerung. In 2019 investiert Hessen rund 225 Millionen Euro in die Brückensanierung und –erneuerung, bis 2022 sind fast 750 Mio.€ Investitionen geplant.

2018 wurden insgesamt 49 Brückenerhaltungsmaßnahmen begonnen. 55 wurden abgeschlossen, 32 Projekte liefen im Jahr 2019 weiter. Für die Autobahnbrücken ist ab 2021 die bundeseigene Autobahn GmbH zuständig.

4. Was wurde in den vergangenen Jahren bei den Brücken verändert?

Das Bundesverkehrsministerium (BMVI) hat ab 2010 zahlreiche Brücken durch die Länder als Auftragsverwaltung nachrechnen lassen, um das Sicherheitsniveau aufgrund gestiegener Verkehrsbelastungen und Achslasten nochmals anzuheben. Dabei wurden Rechenverfahren angewandt, die Rückschlüsse auf Tragfähigkeit, Ermüdungsverhalten und Dauerhaftigkeit der Konstruktion ermöglichen.

Das BMVI hat eine Strategie zur Ertüchtigung dieser Straßenbrücken im Bestand der Bundesfernstraßen bis 2030 entwickelt, die es unter Berücksichtigung der Verkehrsbedeutung und Verkehrsbelastung ermöglicht, über notwendige Brückenverstärkungen oder Brückenerneuerungen zu entscheiden. Hessen hat die Investitionen in die Brückenerhaltung an Bundesfernstraßen deutlich erhöht und aus den entsprechenden Sonderprogrammen des Bundes erhebliche Mittel abnehmen können.

5. Welche Brücken in Hessen sind in einem "kritischem" Zustand?

Von den 341 Bauwerken in Hessen gibt es 50 Bauwerke, die ständig überwacht werden. Der Großteil davon (41) befindet sich auf Autobahnen. Das heißt, bei diesen Brücken wird sehr genau hingeschaut, wie sich der Zustand entwickelt, um im Fall der Fälle auch kurzfristig eingreifen zu können. In den letzten beiden Jahren konnten der Bestand an kritischen Bauwerken um annähernd 10 % reduziert werden.

Für Brückenbauwerke ist nicht nur die Menge des Gesamtverkehrs entscheidend, sondern vielmehr die Tatsache, dass der Anteil des Güterverkehrs in den letzten Jahrzehnten überproportional zugenommen hat. Aktuelle Prognosen weisen auf weitere Steigerungen hin. Zurückblickend haben sich in den letzten 50 Jahren die zulässigen Gesamtgewichte für Lkw von 24 Tonnen auf 44 Tonnen nahezu verdoppelt, die zulässigen Achslasten wurden von sieben auf 11,5 Tonnen angehoben, was die Brücken vorzeitig altern und verschleißen lässt.

Der Streusalzeinsatz ab den 1970er Jahren ist ein weiterer verantwortlicher Faktor für gravierende Schäden an Bauwerken mit den möglichen Folgen von Nutzungseinschränkungen.

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