Sicherer und flüssiger Fahren

Was kann der Verkehr von morgen? Um der gesteigerten Verkehrsnachfrage in den kommenden Jahren zu begegnen, entwickelt und testet Hessen Mobil intelligente Verkehrslösungen, die Mobilität nachhaltig sichern sollen – bundes- und europaweit. Großes Potenzial versprechen sogenannte kooperative Systeme, bei denen Straßenbetreiber, Infrastruktur, Fahrzeuge, ihre Fahrer/innen und andere Verkehrsteilnehmer/innen kooperieren, um eine möglichst effiziente und sichere Fahrt zu ermöglichen. Eine Form kooperativer Systeme ist die Vernetzung von Fahrzeugen untereinander und mit der Verkehrsinfrastruktur: Mit dieser Technologie, auch Car-to-X-Kommunikation genannt, können Verkehrsteilnehmer/innen – in Verbindung mit Fahrerassistenzsystemen – beispielsweise über Gefahrenbremsungen vorausfahrender Wagen, über Hindernisse auf der Straße, über die Verkehrslage an der nächsten Baustelle oder über die optimale Geschwindigkeit, um die nächste Ampel bei Grün zu erreichen, informiert werden. Gleichzeitig können Fahrzeuge ihre Fahrtverlaufsdaten an die Verkehrszentralen übermitteln, die dadurch ein noch umfassenderes, aktuelleres und präziseres Bild der Verkehrslage errechnen können. Eine noch differenziertere Verkehrssteuerung ist dadurch möglich.

Hessen Mobil engagiert sich gemeinsam mit Partnern aus Automobil-, Zulieferer- und Telekommunikationsindustrie sowie wissenschaftlichen Einrichtungen in zahlreichen nationalen und europäischen Forschungs- und Kooperationsprojekten, um die Standardisierungs- und Einführungsprozesse kooperativer Systeme in Hinblick auf eine Einführung im europäischen Kontext voranzubringen. Elementare Voraussetzung: eine breite Marktdurchdringung der fahrzeugseitigen Komponenten durch die Automobilindustrie sowie belastbare Betriebsszenarien, die auf einer übergreifenden Systemarchitektur aufbauen.

In Forschungs- und Entwicklungsprojekten wurde die Technologie der kooperativen Systeme entwickelt und eingehend getestet. Hervorzuheben ist hierbei das Projekt simTD - Sichere Intelligente Mobilität Testfeld Deutschland: Nach dreijähriger Forschungstätigkeit lief von Juli bis Dezember 2012 im Raum Friedberg-Frankfurt der weltweit größte Feldversuch zum Thema Kooperative Systeme in einem realen Straßennetz. Hessen zeigte sich hier als ideale Modellregion, denn es verfügt als europäische Verkehrsdrehscheibe über ein hohes Verkehrsaufkommen, eine gut ausgebaute Verkehrsinfrastruktur und das DRIVE-Center Hessen, ein bundesweit einmaliges Versuchszentrum zur Erprobung von Car-to-X-Technologien, das mit der Verkehrszentrale Hessen (VZH), einer der leistungsstärksten Verkehrsleitzentralen Europas, vernetzt ist.

Testfeld - automatisiertes Fahren

Automatisiertes Fahren korrespondiert mit den Anforderungen des vernetzten kooperativen Verkehrs. Die Automatisierung von Fahraufgaben kann einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, Fahrfehler aufzufangen und den Fahrer zu entlasten. Daher wird das existierende hessische Testfeld für kooperative Systeme im Raum Frankfurt in den nächsten Jahren zum Testfeld für das automatisierte Fahren ausgebaut. Hessen Mobil engagiert sich als Straßenbetreiber in richtungsweisenden Forschungsprojekten mit Partnern aus Industrie und Wissenschaft in unterschiedlichen Anwendungsfeldern des automatisierten Fahrens.

So wird im Projekt Ko-HAF bis 2018 erstmals das kooperative hochautomatisierte Fahren auf Autobahnen im Geschwindigkeitsbereich bis 130 km/h unter realen Verkehrsbedingungen erprobt. Bisherige Systeme des hochautomatisierten Fahrens (HAF) adressierten den niedrigsten und niedrigen Geschwindigkeitsbereich in einfachen Verkehrssituationen wie dem Autobahnstau auf Basis bordautonomer Sensorik. Das Projekt Ko-HAF wagt den Sprung in die zweite Generation des HAF, bei dem Geschwindigkeiten bis 130 km/h auf gut ausgebauter Verkehrsinfrastruktur zu Grunde gelegt werden. Beim Ko-HAF übernimmt das Fahrzeug Längs- und Querführung und erweitert die erforderliche Vorausschau mit Hilfe eines so genannten zentralen Safety Servers und dem Einsatz hochgenauer digitaler Karten sowohl auf Fahrzeug- als auch auf Server-Seite. Dabei erfolgt ein kontinuierlicher Abgleich von detektierten Änderungen der digitalen Karten auf dem Server und in den Fahrzeugen (lernende digitale Karte). Die Erforderlichkeit eines menschlichen Eingriffes durch den Fahrer ist bei Ko-HAF unter bestimmten Umständen keineswegs ausgeschlossen. Vertiefte Untersuchungen zur Mensch-Maschine-Interaktion gehören daher zum Projektumfang. Die Testfahrten werden entlang der Autobahnen A 3, A 5 und A 661 rund um Frankfurt stattfinden. Diese Strecken sind bereits Bestandteil des DRIVE-Testfelds für kooperative Systeme, sodass durch die Nutzung von Synergien ideale Voraussetzungen für das Projekt bestehen.

Gleichzeitig wird im Projekt aFAS ein vollautomatisiertes, d.h. völlig fahrerloses Absicherungsfahrzeug für Arbeitsstellen auf Autobahnen entwickelt und auf dem Seitenstreifen von Autobahnen im Rahmen von Betriebsdienstaufgaben einer hessischen Autobahnmeisterei als Pilotprojekt eingesetzt. Das Vorhaben wird durch spezielle Untersuchungen zum Verkehrsablauf sowie einer rechtlichen Bewertung flankiert. Hessen Mobil erwartet durch die Entwicklung eine erhebliche Verringerung der Risiken für das eingesetzte Betriebsdienstpersonal und baut hierdurch seine Vorreiterrolle für optimale Verkehrssicherheit an Baustellen auf Autobahnen weiter aus. Zudem wird aFAS zukunftsweisende Impulse für den Einsatz hoch- und vollautomatisierter Fahrzeuge im öffentlichen Straßenverkehr setzen.

Intelligente Mobilität – über Landesgrenzen hinweg

Die Ergebnisse der langjährigen Forschungstätigkeiten münden nun in der Markteinführung der kooperativen Systeme. Die Basis für eine europaweite Einführung kooperativer Systeme ist geschaffen. Darauf aufbauend soll die straßenseitige kooperative Infrastruktur für die ersten Anwendungen im Cooperative ITS Corridor Rotterdam – Frankfurt/M. – Wien aufgebaut werden. Dies geschieht in enger Kooperation der EU-Mitgliedstaaten Niederlande, Deutschland und Österreich, die dazu ein Memorandum of Understanding unterzeichnet haben. In Zusammenarbeit mit der Automobilindustrie sollen zwei kooperative Anwendungen eingeführt werden. Bei der Baustellenwarnung werden Informationen zu Baustellen – insbesondere zu Tagesbaustellen – an die Verkehrsteilnehmer/innen weitergegeben. Die Anwendung Verkehrslagedaten (Probe Vehicle Data) wird parallel dazu die Erfassung von Verkehrslagedaten durch das Fahrzeug zur Ermittlung einer verbesserten Verkehrslage ermöglichen.

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