Schienengüterverkehr

Hessen weist wegen seiner zentralen Lage ein besonders hohes Verkehrsaufkommen auf. Deshalb engagiert sich das Land bei der Mitgestaltung des Güterverkehrs, um die Mobilität im Personen- und Güterverkehr nachhaltig zu sichern. Es unterstützt in einem alle Verkehrsträger integrierenden Ansatz Maßnahmen zur Verlagerung von Lkw-Verkehr auf die Bahn. Das Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung hat Hessen Mobil - Straßen- und Verkehrsmanagement als zentralen Ansprechpartner des Landes für den Bereich Schienengüterverkehr bestimmt. Zuständig ist das Dezernat VE 3.

Finanzielle Förderung des Schienengüterverkehrs durch das Land Hessen

Um Arbeitsplätze in Firmen, die ihre Logistik auf den Schienengüterverkehr ausgerichtet haben, zu sichern und Lkw-Verkehr zu verringern, gab es in Hessen von 2002 bis 2010 die Möglichkeit, Gleisanschlussverkehr in der Anfangsphase finanziell zu fördern. Das Land Hessen hat diese Fördermittel bereitgestellt, um möglichst viele Güterverladestellen zu erhalten, die als Folge des Konzeptes MORA C  der damaligen DB Cargo nicht mehr bedient werden sollten. Informationen zu einigen geförderten Vorhaben sind unter "Downloads" erhältlich.

Die finanzielle Förderung des Schienengüterverkehrs wurde 2015 wieder aufgenommen. Als erstes Vorhaben erhalten Maßnahmen an einem Industriestammgleis in Dieburg eine Förderung. Die Landesmittel können gewährt werden für Maßnahmen, die nicht vom Bund gefördert werden, z.B. für die Sanierung von Gleisanschlüssen oder für die Reaktivierung/Sanierung/Erweiterung bzw. den Neubau von Industriestammgleisen. Details zu den Förderbestimmungen liegen noch nicht vor; wenn eine Förderung angestrebt wird, darf der erste Auftrag erst nach Eingang des Förderbescheids erteilt werden. Zusätzlich zum Landesprogramm zur Förderung des Schienengüterverkehrs stehen auch Fördermittel im Rahmen der Wirtschaftsförderung zur Verfügung.

Förderprogramme des Bundes

Seit Herbst 2004 existiert ein Bundesprogramm zur Förderung des Neu- und Ausbaus von Gleisanschlüssen. Das Land informiert Antragsteller über die Bundes-Gleisanschlussförderung, nennt Ansprechpartner und kann beratend mitwirken. Weitere Informationen zur Bundes-Gleisanschlussförderung enthält das Internetangebot der Offensive Gleisanschluss. Der Bund stellt auch Fördermittel für den Kombinierten Verkehr Schiene/Straße bereit und fördert Umschlaganlagen Schiene/Straße über Investitionszuschüsse. Seit August 2013 fördert der Bund auch Maßnahmen an Strecken von öffentlichen nicht bundeseigenen Eisenbahnen, wenn sie dem Schienengüterfernverkehr dienen. Ansprechpartner für alle Förderprogramme des Bundes ist das Eisenbahnbundesamt. Anträgen auf Förderung von Umschlaganlagen ist eine Stellungnahme des betreffenden Bundeslandes beizufügen. In Hessen erstellt Hessen Mobil diese Stellungnahmen; Ansprechpartner ist das Dezernat VE 3.

Förderprogramm der Schweiz

Infrastrukturmaßnahmen im Kombinierten Verkehr in Hessen können auch durch die Schweiz gefördert werden, wenn diese zu einer Verringerung des Lkw-Verkehrs in der Schweiz (insbesondere des alpenquerenden Verkehrs) beitragen. Die Schweizer Investitionshilfen für den Kombinierten Verkehr sind auch für Maßnahmen außerhalb der Schweiz möglich; Ansprechpartner ist das Bundesamt für Verkehr in Bern. 

Förderprogramm der Europäischen Union

Die EU hat bis 2013 mit dem Marco Polo-Programm grenzüberschreitende Projekte zur Vermeidung oder Verringerung von Lkw-Verkehr gefördert. Mit der EU-Verordnung 1316/2013 wurde eine Förderung im Rahmen des Nachfolgeprogramms "Connecting Europe Facility (CEF)" eingerichtet. Hiermit können ab 2015 zusätzlich zur Verkehrsinfrastruktur auch Transportdienstleistungen gefördert werden; Ziel sind umweltfreundliche Logistiklösungen. Der erste Aufruf zu Förderanträgen erfolgte im September 2014.

Überblick über alle Fördermöglichkeiten

Hessen Mobil hat die Fördermöglichkeiten des Bundes, des Landes Hessen, der EU und der Schweiz zusammengestellt (Überblick über die Förderprogramme). Hier finden sich u.a. die Förderbestimmungen, Ansprechpartner, ein Vergleich zwischen der Bundes- und Landesförderung im Gleisanschlussverkehr und es werden alle bisher geförderten Maßnahmen in Hessen aufgeführt.

Finanzierung von Gutachten und Mitwirkung durch das Land Hessen

Das Land Hessen finanziert – unterstützt durch Dritte – Gutachten, um die Chancen für die Fortführung, Reaktivierung oder Neuaufnahme von Schienengüterverkehr auszuloten. Untersuchungen fanden bisher statt in den Räumen Darmstadt/Odenwald bzw. Wiesbaden und dem gesamten Rhein-Main-Gebiet. Hierbei wurden das Potenzial zur Verlagerung von Lkw-Verkehr auf die Bahn erhoben, der Bedarf für den Erhalt oder Neubau von Gleisinfrastruktur ermittelt und Informationen zur Entwicklung von Bedienungskonzepten an die für die Umsetzung Zuständigen übergeben. Hessen Mobil wirkt bei diesen Gutachten mit bei der Erstellung der Arbeitsprogramme, Projektbearbeitung und Umsetzung der Ergebnisse (s. Tagungsunterlagen zur Informationsveranstaltung am 19.07.20006). Weiter unterstützt Hessen Mobil Potenzialerhebungen Dritter.

Mitwirkung beim Erhalt und Ausbau des bestehenden Schienengüterverkehrs

Um die Potenziale zur Verlagerung von Lkw-Verkehr auf die Bahn auszuschöpfen und Informationsdefizite abzubauen, fördert Hessen Mobil den Austausch insbesondere zwischen Eisenbahnverkehrsunternehmen und Verladern. Weiter hat Hessen Mobil eine Befragung von Eisenbahnverkehrsunternehmen im Großraum Frankfurt/Rhein-Main unterstützt, die aus Sicht der Bahnen Ansatzpunkte für eine Strategie zur Erschließung der Potenziale zur Verlagerung von Lkw-Verkehr auf die Bahn ermittelt hat. Hessen Mobil hat mitgewirkt an der Entwicklung einer Online-Frachtbörse zur Vermittlung von Eisenbahngüterverkehren, die sowohl freien Laderaum in Zügen als auch Transportanfragen von Verladern aufzeigt. Partner von Hessen Mobil sind neben dem zuständigen Ministerium u.a. der Regionalverband Frankfurt Rhein/Main, die Kommunen und die Industrie- und Handelskammern (z.B. IHK GI-Friedberg, IHK Darmstadt, IHK Limburg, IHK Rhein-Main ) Der Beitrag zur Umsetzung des Schienengüterverkehrskonzeptes Rhein-Main nennt Beispiele für Verlagerungen und Ansprechpartner; eine erste regionale Austauschplattform für Verlader, Logistiker, Eisenbahnunternehmen und Kommunen fand im März 2013 statt, eine weitere Austauschplattform erfolgte im März 2015.

Mitwirkung beim Erhalt von Schieneninfrastruktur

Voraussetzung für den Erhalt und Ausbau von Schienengüterverkehr ist die dafür notwendige Schieneninfrastruktur auf Strecken und in Bahnhöfen. Beispiele enthält die Veröffentlichung Erhalt von Bahninfrastruktur ist Prämisse für Verkehrsverlagerungen - Beispiele für erfolgreichen Ersatz von Lkw- durch Bahnverkehr. Daher setzt sich Hessen Mobil für den Erhalt genutzter Bahninfrastruktur und bei geeigneten Strecken ohne Betrieb für die Offenhaltung der Option auf Reaktivierung (z.B. durch Trassensicherung) ein. Dies erfolgt insbesondere durch entsprechende Stellungnahmen bei Verfahren des Eisenbahnbundesamtes zur Kapazitätseinschränkung/Rückbau, Stilllegung und Freistellung.

Information des Landes für Verlader mit Interesse am Schienengüterverkehr

Hessen Mobil stellt Verladern eine Übersicht über für Hessen relevante Eisenbahnverkehrsunternehmen und Schienen-Logistikdienstleister zur Verfügung. Sie enthält auch die hessischen Genehmigungsbehörden für Eisenbahnverkehrsunternehmen und die öffentlichen Eisenbahninfrastrukturunternehmen in Hessen.

Weiter informiert Hessen Mobil über Zugangsstellen zum Schienennetz für den Güterverkehr in Hessen.

In Karten sind dargestellt:

  • Gleisanschlüsse in Hessen
  • Güterverkehrsstellen in Hessen
  • Holzverladestellen in Hessen
  • Umschlagstellen für den Kombinierten Verkehr Schiene/Straße in Hessen und den angrenzenden Ländern.

Zusätzlich sind Ansprechpartner genannt. Dieses bundesweit einmalige Informationsangebot soll Unternehmen mit bahnaffinen Transporten helfen, geeignete Standorte zu finden oder Güter per Bahn zu transportieren.

Hessen Mobil informiert Verlader und Logistiker (s. Tagungsunterlagen einer BVL-Veranstaltung und Kommunen (z. B. Stadt Limburg) über die Förderung des Schienengüterverkehrs durch das Land Hessen, Beispiele für die erfolgreiche Verlagerung von Lkw-Verkehr auf die Bahn und die Voraussetzungen.

Bundesweite Aktivitäten

Vom Deutschen Städtetag wurden unter Mitwirkung u.a. des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen und von Hessen Mobil Empfehlungen für einen wirtschaftlichen sowie verkehrs- und umweltplanerisch sinnvollen Schienengüterverkehr veröffentlicht. Sie zeigen den Kommunen auf, dass für sie Schienengüterverkehr wegen der Entlastung des Straßennetzes und Sicherung von Arbeitsplätzen wichtig sein kann, dass kostengünstige Möglichkeiten zum Erhalt von Gütergleisen bestehen und Kommunen hierzu durch eine geeignete Bauleitplanung und ggf. Beteiligung an den Infrastrukturkosten beitragen können. Weiter hat Hessen Mobil über die Notwendigkeit einer Gleisanschlussförderung durch den Bund informiert und die Erfahrungen mit dem hessischen Förderprogramm mitgeteilt.

Die Erfahrungen in Hessen bei der Förderung des Schienengüterverkehrs werden Interessierten zur Verfügung gestellt (s. Vortrag zur Entwicklung des Schienengüterverkehrs und Vortrag über Maßnahmen zur erfolgreichen Verlagerung von Lkw-Verkehr auf die Bahn).

Wirkung der Landesaktivitäten

Durch Landesaktivität unterstützt wurden bisher 1 Industriestammgleis erhalten sowie 16 Güterverladestellen erhalten, reaktiviert oder neu eingerichtet. Hierbei erhielten 11 Maßnahmen Fördermittel. Trotz des geringen Einsatzes an Fördermitteln von insgesamt nur knapp 1,8 Mio. € wurden ca. 260 Arbeitsplätze erhalten/neu geschaffen. Weiter wurden von 2003 bis 2010 das Straßennetz um ca. 45 Mio. Lkw-km entlastet und ca. 100.000 Lkw-Fahrten in Ortsdurchfahrten vermieden. Eine Bilanzierung des hessischen Förderprogramms für den Schienengüterverkehr enthalten die Veröffentlichungen Erfolge bei dem Erhalt und der Reaktivierung von Bahntransporten und Hessen fördert Bahntransporte - Bilanz eines Förderprogramms. Die 2004 geförderte Reaktivierung einer Güterstrecke erhielt 2008 als gutes Beispiel zur Vernetzung im Verkehr einen Preis des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung.

Bundesweit konnte u.a. in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Städtetag und dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen erreicht werden, dass der Bund ein Förderprogramm zur Unterstützung des Gleisanschlussverkehrs eingerichtet hat. Zunehmend wird für die verladende Wirtschaft der Gütertransport auf der Schiene eine zu prüfende Alternative zur Nutzung des Lkw.

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