Qualitätssicherung

Ziele und Maßnahmen:

Die Qualitätssicherung an Lichtsignalanlagen (LSA, Ampeln) ist eine zentrale Maßnahme zur Sicherung und Erhöhung der Mobilität. Sie ist wichtig, weil

  • durch das gestiegene Verkehrsaufkommen die Belastungen signalisierter Knotenpunkte zugenommen haben und dadurch der Verkehrsablauf und die Sicherheit beeinträchtigt sein kann
  • bei einer Lebensdauer der Lichtsignalanlagen von i.d.R. mehr als 15 Jahren sich die verkehrlichen Gegebenheiten, die Grundlage für die verkehrstechnische Planung der Anlage waren, wesentlich geändert haben können
  • die Steuerung der Lichtsignalanlagen an geänderte Normen und Richtlinien anzupassen ist
  • ein aktueller und kostengünstiger Stand der Technik vorzuhalten ist.

Wenn die Auswirkungen lichtsignalgeregelter Knotenpunkte auf den Verkehrsablauf wie früher üblich nur als Folge des Auftretens gravierender Probleme detaillierter untersucht werden, liegt die Qualität des Verkehrsablaufs oft weit unter dem mit modernen verkehrsabhängigen Steuerungen erreichbaren Standard und auch die Möglichkeiten zur Verringerung bzw. Vermeidung von Konfliktpotenzialen bleiben weitgehend ungenutzt. Deshalb fordert u.a. die Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen eine turnusmäßige und ereignisbezogene Kontrolle und Systempflege an den Lichtsignalanlagen. Hierbei soll das Unfallgeschehen sowie aus Beobachtungen gewonnene Informationen zu Kenngrößen des Verkehrsablaufs zu einer umfassenden Qualitätsbewertung genutzt werden. Auf dieser Basis soll für alle Verkehrsteilnehmer/innen ein sicherer und flüssiger Verkehrsablauf gewährleistet werden.

Modellprojekt „Staufreies Hessen 2015":

Wegen ihres großen Beitrags zur Sicherung der Mobilität in Hessen war die Aufgabe „Qualitätssicherung an Lichtsignalanlagen" ein Projektbereich beim Modellprojekt „Staufreies Hessen 2015" der Hessischen Landesregierung. Damit hat die Qualitätssicherung an Lichtsignalanlagen nochmals erheblich an Bedeutung gewonnen. Hierbei wurden an Lichtsignalanlagen in Zuständigkeit der Hessischen Straßen- und Verkehrsverwaltung (Landes- und Bundesstraßen) für alle Teilnehmer/innen am Straßenverkehr der Verkehrsablauf unter gleichzeitiger Erhöhung der Verkehrssicherheit optimiert und ein hochwertiger Standard erreicht. Wichtige Teilziele hierbei waren:

  • Erhöhung der Leistungsfähigkeit
  • Verringerung von Wartezeiten, Halten und Rückstaulängen
  • Verminderung von Unfallhäufigkeit/Unfallschwere und Gefährdungspotenzial,
  • bessere Beachtung der Belange nicht-motorisierter Verkehrsteilnehmer
  • gezielte Bevorzugung des öffentlichen Personennahverkehrs
  • Bereitstellung aktueller Daten zum Zustand der Lichtsignalanlagen und dem Verkehrsaufkommen
  • schnellere Behebung von Störungen an Lichtsignalanlagen
  • Schaffung der Voraussetzungen für eine dynamische Steuerung an strategisch bedeutsamen LSA
  • Berücksichtigung des aktuellen Regelwerks
  • Erneuerung von Signalanlagen und der technischen Ausstattung
  • Verringerung der Instandhaltungs- und Betriebskosten
  • Verringerung von Lärm- und Abgasemissionen

Die Projektgruppe „Qualitätssicherung an Lichtsignalanlagen" hatte insbesondere folgende  Aufgaben:

  • Zunächst wurde als Grundlage für die weitere Arbeit der Optimierungsbedarf an Lichtsignalanlagen in allen Ämtern für Straßen- und Verkehrswesen erhoben.
  • Im Anschluss wurden besonders dringliche oder publikumswirksame Maßnahmen an Lichtsignalanlagen (Leuchtturm-Projekte) identifiziert, damit schnell Optimierungsmaßnahmen vergeben und umgesetzt werden konnten.
  • Für die nicht vordringlichen Maßnahmen an Lichtsignalanlagen der HSVV wurde eine Dringlichkeitsreihung entwickelt. Als Voraussetzung hierfür wurden für die Kategorien Verkehrsablauf, Verkehrssicherheit und Betriebssicherheit sowohl messbare als auch nur qualitativ beschreibbare Größen erhoben.
  • Zusätzlich wurde über eine Abfrage bei den Lokalen Nahverkehrsgesellschaften und ÖPNV-Unternehmen der Optimierungsbedarf an LSA aus Sicht des ÖPNV ermittelt.
  • Die für die Umsetzung notwendigen Mittel wurden bereitgestellt.
  • Parallel wurde das für die Bearbeitung von Lichtsignalanlagen relevante interne Regelwerk aktualisiert und ergänzt.
  • Weiter wurde ein Konzept für die Öffentlichkeitsarbeit erstellt.

Auf Basis des erfassten Optimierungsbedarfs wurden Leuchtturm-Projekte definiert, die schnell umgesetzt werden konnten. Kriterien für Leuchtturm-Projekte waren:

  • Es sollen erhebliche Mängel an der LSA vorliegen, damit ein großer Nutzen durch die Optimierung möglich ist. 
  • Die Umsetzung soll öffentlichkeitswirksam sein, damit der Nutzen des Konzepts „Staufreies Hessen 2015" großen Teilen der Bevölkerung verdeutlicht wird.
  • Bei Mittelverfügbarkeit muss ohne Verzögerung durch größere Baumaßnahmen eine schnelle Realisierung möglich sein.

Insgesamt wurden 88 Lichtsignalanlagen in „Leuchtturm"-Projekte aufgenommen. Bei fast allen Leuchtturm-Projekten wurde eine Dokumentation erstellt, damit die betroffenen Kommunen, ihre Bürger sowie sonstige Interessierte informiert sind. Sie enthielt eine Übersicht zur Lage der optimierten Lichtsignalanlagen, Angaben zu den Mängeln an den LSA und den geplanten Verbesserungen, eine Fotodokumentation und einen Zeitplan für die Umsetzung. Nach Abschluss der Optimierung von Lichtsignalanlagen wurden beispielhaft Vorher-Nachher-Untersuchungen erstellt. Diese zeigten in einem Vergleich die für jede Verkehrsteilnehmergruppe erreichten Verbesserungen und ggf. weitere Optimierungsmöglichkeiten auf. Weiter wurde eine umfangreiche Nutzen-Kosten-Untersuchung erstellt, die quantitativ untermauert den Nutzen und die Kosten der Qualitätssicherung an zwei benachbarten Knotenpunkten in Gießen gegenüberstellte. Anhand dieser Untersuchung ließen sich die positiven Auswirkungen auf Verkehrssicherheit und -ablauf belegen sowie Maßgaben für künftige LSA-Optimierungen ableiten.

Die Qualitätssicherung von insgesamt 280 LSA konnte nach 4-jähriger Projektlaufzeit in 2008 abgeschlossen werden. Hierfür wurden für Baumaßnahmen  6 Millionen Euro Bundesmittel und 3,5 Millionen Euro Landesmittel sowie für die Projektierung 350.000 Euro Landesmittel benötigt. Für eine vereinfachte GVFG-Förderung von Maßnahmen zur LSA-Qualitätssicherung wurden einheitliche Förderkriterien und Rahmenbedingungen erarbeitet.

Durch eine Qualitätssicherung an Lichtsignalanlagen wurden erhebliche Verbesserungen in Hinblick auf Verkehrssicherheit und -ablauf erzielt. Hessen Mobil wird auch künftig die Qualität von Lichtsignalanlagen kontinuierlich prüfen und optimieren.