Talbrücke B45 Bad König in der Seitenansicht

Sperrung der Talbrücke bei Bad König im Zuge der B 45

Die Talbrücke der Bundesstraße B 45 über die Mümling und Odenwaldbahn musste Ende April 2025 aus Sicherheitsgründen gesperrt und anschließend gesprengt werden. Der Neubau beginnt Ende April 2026. Wann ist die zentrale Verkehrsverbindung wieder hergestellt? Wie kann der Verkehr fahren? In diesen FAQ finden Sie Antworten auf diese und weitere Fragen zu der Brücke. (Stand Februar 2026)

Zum Neubau

Wann beginnen die Bauarbeiten zum Neubau und wie lange dauern sie?

Die Arbeiten werden Ende April dieses Jahres beginnen. Die Verkehrsfreigabe ist für Juni 2027 geplant, je nach den Witterungsverhältnissen im Winter.

Am 22. Dezember 2025 konnte der Neubau der Zeller Brücke an die Arbeitsgemeinschaft Eiffage Infra-Süd und Eiffage Infra-West vergeben werden. Die Ausschreibungsunterlagen waren Anfang August veröffentlicht worden.

Um möglichst schnell mit dem Neubau der Brücke beginnen zu können, handelt es sich dabei um eine funktionelle Ausschreibung, bei der die Baufirma neben den gesamten baulichen Maßnahmen auch für die Ausführungsplanung mit dazugehöriger Entwurfsplanung inklusive aller Fachplanungen verantwortlich ist.

Wie wird die neue Brücke aussehen?

Der Neubau wird ein Spannbetonbauwerk mit drei Feldern sein, analog zur abgerissenen alten Brücke. Auch in der Ansicht wird sich der Neubau mit dem markanten Pfeilerpaar am bisherigen Erscheinungsbild orientieren.

Das neue Brückenbauwerk wird wegen der etwas größeren Bauhöhe des Überbaus konstruktionsbedingt um etwa 51 Zentimeter höher sein.

Wie ist das Baukonzept?

Die Pfeilerpaare stehen annähernd an der gleichen Stelle der alten. Sie werden im Verbau mit Spundwandkästen hergestellt, ein Spezialtiefbauverfahren zur Sicherung von Baugruben bei beengten Platzverhältnissen und hohem Grundwasserstand.

Die Pfeiler sind 2,4 Meter breit, ca. 6,40 Meter bzw. ca. 10 Meter hoch. Die paarweisen gebauten Pfeiler stehen etwa 4,30 Meter voneinander entfernt.

Das Widerlager Nord wird an gleicher Stelle stehen, das Widerlager Süd wird mit der Stützwand parallel zur Bundesstraße leicht versetzt werden, was weniger Sperrpausen der Bahnstrecke notwendig macht.

Für die Herstellung des Widerlager Süd wird eine Baustraße vom Helmertweg aus errichtet werden. Diese schließt an die bereits bestehende Baustraße vom gesperrten nördlichen Teil der B 45 und über die Mümling an.

Die neue Brücke wird eine Länge von 120 Metern haben. Widerlager und Pfeiler werden gegenüber der alten Brücke tiefgegründet.

Der Überbau wird als Ganzes vor Ort in Beton hergestellt. Dafür muss zuvor eine Schalung errichtet werden.

Wie ist der Bauablauf?

Begonnen werden die Bauarbeiten Anfang Mai mit der Tiefgründung der neuen Pfeiler. Dazu wird ein mobiler Baukran zwischen beiden Pfeilern errichtet.

In den Hessischen Sommerferien (26. Juni -7. August 2026) wird in der sechswöchigen Sperrpause der Bahnstrecke das Widerlager Süd hergestellt. Auch dafür wird ein mobiler Baukran oberhalb auf der B 45 installiert.

Danach erfolgt die Herstellung des Widerlagers Nord. Auch auf der Nordseite der B 45 wird ein mobiler Kran stehen.

Die Unterbauten und die Stützwände werden ab Oktober fertigstellt.

Die hessischen Herbstferien (5.-17. Oktober 2026) werden genutzt, um während einer weiteren Sperrpause der Bahn das Tragegerüst über der Bahnlinie für die Schalung des Überbaus zu bauen. Anschließend soll im November der Überbau in Einem betoniert werden.

Während der Sperrpausen der Bahnlinie in den hessischen Sommer- und Herbstferien 2026 wird ein Schienenersatzverkehr eingerichtet.

Im Winter ist vorgesehen, die Kappen und die Abdichtung der Brücke herzustellen, die Brückenausstattung zu errichten sowie mit dem Rückbau von Baustraße und Behelfsbrücke zu beginnen.

Eine Höhenanpassung der Strecke mit kurzzeitiger Vollsperrung des Helmertwegs (etwa 2 - 3 Wochen) erfolgt ebenfalls im Winter 2026/2027.

Was kostet der Neubau?

Die Kosten liegen bei rund 11 Millionen Euro und werden vollständig vom Bund getragen.

Die voraussichtliche „Lebensdauer“ der neuen Spannbetonbrücke beträgt 80 bis 100 Jahre.

Wie wird der Verkehr umgeleitet?

Die aktuelle Umleitungsstrecke für den Schwerverkehr führt von Höchst im Odenwald kommend, über die Landesstraße L 3318 bis zur L 3349 (bei Vielbrunn) und weiter über die B 47 nach Michelstadt zurück auf die B 45.

An der nahgelegenen Umleitungsstrecke über die L 3414 bei Langen-Brombach und von dort aus über die B 47 zurück auf die B 45 bei Michelstadt finden noch Bauarbeiten bis etwa Ende März 2026 statt.

Die Bahngleise sind seit Ende der Hessischen Sommerferien wieder geöffnet. Die Bahn fährt seit dem 18. Juli wieder wie gewohnt. Während der Sperrpausen der Bahnlinie in den hessischen Sommer- und Herbstferien 2026 wird ein Schienenersatzverkehr eingerichtet.

Der unter der Straßenbrücke laufende Radweg kann während der gesamten Bauarbeiten nicht genutzt werden. Der Radweg R4 wird bis zur Fertigstellung des Brückenneubaus über einen westlich gelegenen Waldweg sowie den gesperrten Teil der B 45 umgeleitet.

Zur Wahrung der Stand- und Verkehrssicherheit des Bauwerks und somit schlussendlich zur Gewährleistung der Sicherheit der Verkehrsteilnehmer wurde eine umgehende Vollsperrung erforderlich.

B 45 Talbrücke bei Bad König

Zur Sperrung

Warum ist die Brücke gesperrt worden?

Die Brücke ist kurzfristig am Dienstagabend, 29. April 2025 in beide Fahrtrichtungen für alle Verkehrsteilnehmenden gesperrt worden.

Aufgetretene Risse im Beton, die bei der jüngsten Brückenprüfung festgestellt worden sind, haben Hessen Mobil dazu veranlasst, zur Sicherheit aller Verkehrsteilnehmenden keinen Verkehr mehr über die Brücke fahren zu lassen – dies betrifft neben dem motorisierten Verkehr auch den Radverkehr, Fußgängerinnen und Fußgänger.

Wie alt war die Brücke?

Die alte Talbrücke der Bundesstraße 45 über die Mümling und Odenwaldbahn bei Bad König wurde im Jahr 1961 errichtet. Sie erstreckte sich über eine Länge von ca. 116 Meter. Bei einer konstanten Querschnittshöhe des Brückenüberbaus von 1,65 Metern beträgt die Brückenbreite 14,20 Meter, wobei davon 10,70 Meter auf die Fahrbahn entfallen.

Wie war die alte Brücke konstruiert?

Bei der alten Brücke handelte es sich um eine Spannbeton- Hohlkastenbrücke. Der Überbau spannt über drei Felder mit Stützweiten von 37,50 – 41,60 – 37,50 Metern. Der Hohlkasten ist bekriechbar.

Bis zu den Untersuchungen am 28. und 29. April 2025 wurde der Zustand des Bauwerks als gut bewertet. Das Bauwerk wurde zuletzt in den Jahren 2010/2011 einer umfangreichen Instandsetzung unterzogen.

Welche Schäden sind aufgetreten?

Bei einer verhältnismäßig großen Anzahl an Spanngliedbrüchen innerhalb eines Querschnitts ergaben sich spanngliedparallele Betonlängsrisse. Aufgrund der bekannten, konstruktiv bedingten Defizite dieser Bauweise aus den 1960er Jahren werden Bauwerke dieser Art, von Hessen Mobil mindestens jährlich sondergeprüft.

Bei der letzten Sonderprüfung des Bauwerks am 28. und 29. April 2025 wurden eben solche spanngliedparallelen Betonlängsrisse an den Innenseiten der Hohlkastenstege detektiert und weitergehend untersucht. Die vorgefundenen Risse waren bis zu drei Meter lang mit maximalen Rissweiten von 0,3 - 0,4 Millimeter an der Betonoberfläche.

Zur Wahrung der Stand- und Verkehrssicherheit des Bauwerks und somit schlussendlich zur Gewährleistung der Sicherheit der Verkehrsteilnehmer wurde eine umgehende Vollsperrung erforderlich.

Warum sind ebenfalls der Radweg und die Bahnstrecke gesperrt worden?

Nach Sperrung der Brücke für den Straßenverkehr hatte die Deutsche Bahn AG als Sofortmaßnahme die Streckengeschwindigkeit im Brückenbereich deutlich reduziert und einen Streckenbeobachter installiert.

Nach Untersuchung des Brückenbauwerks und im Ergebnis einer gemeinschaftlichen fachlichen Bewertung der Ergebnisse durch die Deutsche Bahn AG und Hessen Mobil musste wenige Tage nach Brückensperrung auch die unter dem Bauwerk verlaufende Bahnstrecke für den Verkehr gesperrt werden. Der dort verlaufende Radweg steht ebenfalls nicht mehr zur Verfügung.

Wie lange wird die Sperrung der Bundesstraße voraussichtlich dauern?

Aufgrund der hohen Verkehrsbelastung der B 45 und der verkehrlichen Bedeutung des Brückenbauwerks, das täglich von etwa 15.000 Fahrzeugen befahren wurde, besteht eine hohe Dringlichkeit für einen schnellstmöglichen Ersatzneubau der Brücke.

Die Verkehrsfreigabe der neuen Zeller Brücke ist für Juni 2026 geplant.

Um die wichtige Verkehrsader des Odenwaldes schnellst möglich wieder herzustellen, wurde nach der Sperrung umgehend eine Projekt-Taskforce ins Leben gerufen.

Wer gehört zur Taskforce und wie arbeitet sie zusammen?

Bei der Taskforce handelt es sich um ein behördenübergreifendes Expertengremium. Ziel ist es, direkt und auf kurzem Wege Informationen auszutauschen und Entscheidungen herbeizuführen.

Neben den Fachabteilungen von Hessen Mobil (u.a. Planung, Bau, Verkehr, Landespflege), nehmen unter anderem Fachbehörden des Odenwaldkreises, die Kommunen (Bad König und Michelstadt), das Regierungspräsidium Darmstadt sowie Vertreter der Deutschen Bahn, der VIAS und der Polizei an der Taskforce teil.

Die Taskforce befasst sich mit den nächsten anstehenden Schritten und schafft gemeinsam die notwendigen Voraussetzungen für eine zügige Wiederherstellung der durchgängigen Verbindung. Zudem wird aktuelle verkehrliche Situation vor Ort besprochen.

Zum Brückenabbruch

Wann wurde die Brücke abgerissen?

Die Sprengung der Brücke erfolgte am 30. Juli 2025. Gegen 11 Uhr wurden die vier Pendelstützen der rund 3000 Tonnen schweren Brücke zum Einsturz gebracht.

Bevor die Zeller Brücke gesprengt wurde, mussten die Bereichen unterhalb der Brücke für die Sprengung und für den Abtransport des Materials vorbereitet werden.

Es wurde eine Baustraße errichtet, die auch für den Neubau genutzt wird. Diese führt von der Nordseite der B 45 über eine Rampe auf das Baufeld unterhalb der Brücke 5. Für die Baustraße musste auch eine Behelfsbrücke über die Mümling errichtet werden.

Wie wurde die Brücke gesprengt?

Mit insgesamt rund 44 Kilo Sprengstoff wurde die 3.000 Tonnen schwere Betonbrücke zu Fall gebracht.

Vorab wurden rund 20 bis 30 Sprengbohrlöcher in jede Pendelstützen gebohrt und mit Sprengmittel befüllt.

Bei der Sprengung detonieren die mit Sprengstoff befüllten Löcher nicht auf einmal, sondern im Abstand von wenigen Millisekunden.

Warum kann die Brücke nicht saniert werden?

Auf Grund der Bauweise können Kastenspannglieder-Brücken bei dem festgestellten Schadensbild von Längsrissen nicht mehr instandgesetzt werden. Das Bauwerk ist bei der festgestellten Anzahl an spanngliedparallelen Betonlängsrissen als irreparabel einzustufen und muss daher erneuert werde.

Wie viele Brücken gibt es im Verantwortungsbereich von Hessen Mobil im Odenwaldkreis?

Im Odenwaldkreis befinden sich 62 Brückenteilbauwerke im Zuge von Bundes- und Landesstraßen, jeweils in der Baulast des Bundes oder des Landes. Sanierungsbedürftig sind sechs Bauwerke, von denen drei bereits für einen Ersatzneubau und zwei für eine Instandsetzung eingeplant sind. Ein Bauwerk wird zurzeit näher untersucht.

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