„Die Kinder stellten fünf, sechs Eimer mit Wasser und Seife auf den Boden – und wussten genau, was zu tun ist. Wir nicht. Erst haben sie gelacht, später haben sie uns gezeigt, wie man richtig wäscht. Da merkst du, wie verwöhnt du bist.“ Christian Grieser erzählt die Szene aus dem Hof des Kinderheims von Home Care International, wo einfache Handgriffe genügen: auswringen, aufhängen, Sonne, Wind. Kein Schleudergang, keine Maschine – und dennoch funktioniert es. Dieser Moment gab den Ton für die Reise vor: offen sein, lernen, anpacken.
Einblicke
"Maschinen? Ihr seid die Maschinen!"
Der 27-jährige Grieser ist seit neun Jahren bei Hessen Mobil und heute im Brückenbau in Gelnhausen eingesetzt. Er hat den Bachelor an der Technischen Hochschule Mittelhessen in Gießen abgeschlossen und macht dort seinen Master. Bei Hessen Mobil unterstützt er unter anderem bei Abstimmungen zu Leitungen, in der Bauüberwachung und in der Arbeitsvorbereitung.
Viele Wege führen zum Ziel – wenn das Ziel klar ist, findest du den passenden.
Zwischen Abgabe der Bachelor-Arbeit und dem Abflug nach Kenia lagen nur wenige Tage. Die Exkursion kam über einen Professor zustande, der Kontakte nach Kenia pflegt; wer mitwollte, musste sich bewerben und wurde in Gesprächen ausgewählt. Finanziert wurde die Reise überwiegend über Spenden und organisiert von der Technischen Hochschule Mittelhessen und Home Care International. Für Christian Grieser war sofort klar: Diese Chance wollte er nutzen – raus aus dem Hörsaal, rein in echte Projekte.
Kinderheim: Leiser essen, besser lernen
Im Kinderheim, der ersten längeren Station der Reise, fiel den Studierenden schnell auf, wie laut es beim Essen ist. Die nackten Betonwände verstärkten die Stimmen – ein ungesunder Lärmpegel. Statt zu lamentieren, handelten sie und brachten schwere Teppiche mit Winkeln an die Decke an, nicht perfekt, aber wirkungsvoll. Am nächsten Tag war der Unterschied sofort hörbar. Während der fünf Tage gab es vieles zu tun, das in keinem Plan steht: Dachrinnen von Nadeln befreien und eine Abdeckung improvisieren, die Küche in dunklem Grau streichen, damit Ruß weniger sichtbar ist und Pflege leichter fällt. Der Ansatz war immer gleich: mit dem arbeiten, was da ist – und gemeinsam Lösungen finden.
Suswa: Schule im Outback, Beton per Hand
Nach ereignisreichen Tagen im Kinderheim ging es für die Reisegruppe weiter nach Suswa, das mit dem Auto eine halbe Stunde von allem entfernt ist. Irgendwann tauchen ein paar kleine Hütten und eine Baustelle für eine neue Schule auf. Die Studierenden hatten hier mehrere Aufgaben: Sie sollten eine schadhafte Bodenplatte begutachten, zurückbauen und neu errichten. Schalung aus ungleichen Brettern, Fundament, Mauerwerk – fast alles per Hand. Schotter mischen, Wasser tragen, Beton mit Schaufeln abziehen. Steine wanderten in einer Menschenkette von A nach B, weil der Weg sonst zu weit gewesen wäre. Wege wurden kürzer, Abläufe klarer, das Team eingespielter. „Manchmal ist die wichtigste Maschine das Team“, sagt Grieser nachdenklich. Gleichzeitig lernte er aber auch, wo Improvisation Grenzen hat: Qualität sichern, Arbeitssicherheit mitdenken, Risiken einschätzen – ohne klare Absprachen und viel eigene Aufmerksamkeit geht es nicht.
Was bleibt – für ihn und für Hessen Mobil
Kenia erdete ihn und schärfte seine Prioritäten. Kleine, wirksame Schritte waren besser als große Pläne ohne Wirkung. Gute Arbeitsorganisation spart Kraft, kurze Wege sparen Zeit, klare Absprachen erhöhen die Sicherheit. „Wir sind in Deutschland zu Recht sehr sicher aufgestellt“, sagte Grieser. „Sicherheit bleibt die Basis. Aber ein bisschen mehr Pragmatismus und Mut zu naheliegenden Lösungen kann auch in unserem Arbeitsalltag nur gut sein.“
Manchmal ist die wichtigste Maschine das Team.
Für Christian Grieser war die Reise ein Sprung aus der Komfortzone: einfache Unterkünfte, kaltes Wasser, frisches Obst direkt von der Farm, Kinder, die neugierig waren und Verantwortung übernahmen. Diese Erfahrung machte ihn gelassener und mutiger. Es ist gut, Dinge groß zu denken und auszuprobieren – und vollkommen okay, Hilfe des Teams anzunehmen. Unterwegs sind echte Freundschaften entstanden; die Gruppe blieb in Kontakt und trifft sich bis heute.
Sicherheit bleibt die Basis. Aber ein bisschen mehr Pragmatismus und Mut zu naheliegenden Lösungen kann auch in unserem Arbeitsalltag nur gut sein.
Als er zurückkam, blickte unser Kollege auch anders auf Projekte bei Hessen Mobil: erst hinschauen, dann die beste machbare Lösung wählen und das Team stark machen. Und wenn er den Einstiegsmoment im Kinderheim mit fünf-sechs Eimern Wasser und Seife und lachenden Kindern heute noch einmal vor Augen hat, dann ist klar, was hängen blieb: Nicht jede Lösung braucht eine Maschine. Manchmal reichen Hände, ein gutes Team und der Wille, es gemeinsam zu tun.
Text: Jonas Tresbach