Die Bauarbeiten zur grundhaften Erneuerung der Wehrbrücke in Hirschhorn verzögern sich und werden nach derzeitiger Planung voraussichtlich erst Ende 2026 abgeschlossen.
Die Hauptursache für die Verzögerung: beim Freistrahlen der Unterseite der Brücke und des Brückengeländers wurde festgestellt, dass die Korrosionsschäden einen noch größeren Umfang hatten als bisher bekannt.
Unter anderem kamen nach dem Freistrahlen weitere Schäden an der Stahlkonstruktion zum Vorschein, die zusätzliche Verstärkungen im Stahl erforderlich machten. Größere Beschichtungsschäden der Altbeschichtung führten dazu, dass das Abstrahlen und Auftragen der neuen Beschichtung wesentlich mehr Zeit in Anspruch nahm als ursprünglich geplant. Auch auf den Pfeilern war teilweise die Abdichtung teilweise nicht vollständig bzw. geschädigt.
Dadurch verlängern sich die Bauarbeiten an der Wehrbrücke noch einmal um mehrere Monate.
„Wir bedauern sehr, dass sich durch die spätere Fertigstellung die angespannte Verkehrssituation in Hirschhorn und insbesondere in Ersheim weiter verlängert und zusätzliche Einschränkungen entstehen. Auch wir hätten uns gewünscht, wie angekündigt fertig zu werden – zumal durch die Verzögerung Personalkapazitäten gebunden werden, die wir eigentlich für andere wichtige Projekte einsetzen wollten.“ erklärte Markus Schmitt, Dezernent für Planung und Bau bei Hessen Mobil Südhessen, beim Pressetermin.
Wie geht es weiter?
Derzeit befinden sich die Korrosionsschutzarbeiten kurz vor der Fertigstellung, bis auf Feld 3 sind alle Felder der Brückenunterseite beschichtet. Sie sollen bis Ende Februar abgeschlossen werden.
Folgende Arbeiten sind im Weiteren vorgesehen:
• Abbau des letzten Gerüstes unter der Brücke
• Abtrag der teer-asbesthaltigen Abdichtung auf der Fahrbahn und dessen fachgerechte Abfuhr und Entsorgung
• Auftrag von Korrosionsschutz und neuer Dichtungsschichten auf der Fahrbahnplatte
• Aufbringen von Asphaltschutz- und Deckschicht.
Verkehrsführung
Die Arbeiten finden weiterhin unter Vollsperrung der Brücke statt.
Die beschilderte Umleitung für den Kraftfahrzeugverkehr zwischen Hirschhorn und Ersheim erfolgt während der Vollsperrung weiterhin über Schönbrunn/Moosbrunn und Eberbach. Der Fuß- und Radverkehr kann die Brücke während der gesamten Bauzeit nutzen.
Für den Anliegerverkehr gilt weiterhin die beschränkte Behelfszufahrt über die Brentanostraße und die Rettungszufahrt am Tunnel Hirschhorn zur Bundestraße B 37. Die Verkehrsführung an der Einmündung der Behelfszufahrt auf die B 37 erfolgt mittels dreiphasiger Ampelregelung.
Zur Baumaßnahme
Neben der Verbindungsfunktion zwischen den beiden Hirschhorner Stadtteilen dient die Wehrbrücke zur Anbindung des Flusskraftwerks der Neckar AG, als Revisionsweg zu den Wehrpfeilern und als Leitungsbrücke für Wehr- und Kraftwerksbetreiber sowie den verschiedenen Versorgungsunternehmen.
Die Wehrbrücke wurde im Zuge der Errichtung der Neckarstaustufe Hirschhorn in den Jahren 1931 bis 1935 als genietete Stahlkonstruktion errichtet und 1979/1980 umgebaut und erweitert. Die Wehrbrücke setzt sich aus zwei Teilbrücken zusammen, der zweifeldrigen Schleusenbrücke auf der Seite Ersheims und der namensgebenden dreifeldrigen Wehrbrücke auf Hirschhorner Seite.
Beide Stahlkonstruktionen besitzen einen offenen Querschnitt aus einem zweistegigen Plattenbalken und einer orthotropen Fahrbahnplatte aus Stahl.
Die Wehrbrücke weist sichtbare Korrosionsschäden an der Überbaukonstruktion und insbesondere eine Spaltkorrosion an den Verstärkungsblechen der Längsträgeruntergurte auf. Hier wölben sich die Stahllaschen infolge der Volumenvergrößerung des rostenden Stahls auf.
Da die Spaltkorrosion weiter fortschreitet und sich der Druck auf die Verstärkungsbleche weiter erhöht, besteht für die Instandsetzung der Längsträgeruntergurte der Brücke ein dringender Handlungsbedarf. Um die Verkehrssicherheit und die Standsicherheit des Bauwerks dauerhaft zu gewährleisten, ist die geplante Baumaßnahme zwingend erforderlich.
Zur Beseitigung der Spaltkorrosion an den Brückenträgern müssen die Verstärkungsbleche an den Längsträgeruntergurten sowohl in den einzelnen Brückenfeldern als auch über den Innenstützungen ausgebaut und erneuert werden. Dabei müssen je Hauptträger mehrere hundert Nieten aus der Stahlkonstruktion gelöst werden. Bevor die Hauptträger zerlegt werden können, muss das jeweilige Brückenfeld und der Hauptträger statisch über eine Hilfskonstruktion auf der Brücke entlastet werden.
Hierfür sind aufwendige Auswechsel- und Gerüstbauten erforderlich. Diese Bauarbeiten am teilweise demontierten Hauptträger können aus statischen Gründen nur unter Vollsperrung der Brücke erfolgen.