Beschilderung an der L 3244 zwischen Aue und Wanfried

Osthessen

Gemeinsamer Amphibienschutz als Vorbild für andere Regionen

Mit den steigenden Temperaturen erwachen die Amphibien langsam aus ihrer Winterstarre und begeben sich nach und nach wieder zu ihren Sommerquartieren.

Dabei müssen sie nicht selten die ein oder andere Straße überqueren, was nicht nur für die Tiere gefährlich ist, sondern auch für die Verkehrsteilnehmenden ein hohes Sicherheitsrisiko darstellt. Daher gibt es an stark frequentierten Streckenabschnitten stationäre Amphibienschutzanlagen oder auch temporäre Amphibienschutzmaßnahmen wie mobile Schutzzäune. Um diese Maßnahmen effizienter zu gestalten und Einsätze besser zu koordinieren, findet sowohl im Werra-Meißner-Kreis, als auch im Landkreis Hersfeld-Rotenburg seit einigen Jahren der „Runde Tisch Amphibienschutz an Straßen“ statt.

Ehrenamt und Behörden arbeiten Hand in Hand Initiiert durch das Sachgebiet Landespflege Eschwege von Hessen Mobil treffen sich einmal im Jahr Vertreterinnen und Vertreter der oberen und unteren Naturschutzbehörde, des jeweiligen Landkreises sowie den örtlichen Naturschutzverbänden, ehrenamtlichen Initiativen und eben Hessen Mobil zum Austausch. „Es geht uns darum, Wanderwege langfristig zu sichern, Lebensräume zu erhalten und den Schutz gemeinsam zu organisieren“, sagt Jens Mohr, Mitarbeiter der Landespflege, zu dem Hintergrund des Treffens.

„Mit dem Runden Tisch wurde im Landkreis Hersfeld-Rotenburg und Werra-Meißner-Kreis ein Format ins Leben gerufen, das mittlerweile auch andere Regionen in Hessen übernommen haben oder zukünftig übernehmen wollen“, so Mohr weiter.

Teilnehmer vom „Runden Tisch Amphibienschutz an Straßen“ im Landkreis Hersfeld-Rotenburg
Teilnehmerinnen und Teilnehmer vom „Runden Tisch Amphibienschutz an Straßen“ im Landkreis Hersfeld-Rotenburg

Vielen sind die Schutzzäune bekannt, die meist im Frühjahr entlang bekannter Wanderkorridore aufgebaut werden. Sie hindern die Tiere am Queren der Straße. Diese landen entlang der Zäune in Behältern, die freiwillige Helferinnen und Helfern regelmäßig kontrollieren und die Tiere sicher auf die andere Straßenseite bringen. Das Ehrenamt, welches jedes Jahr tausende von Arbeitsstunden in beiden Landkreisen leistet, spielt bei der Amphibiensammlung vor Ort eine zentrale Rolle. Ohne die vielen freiwilligen Helferinnen und Helfer wären zahlreiche Schutzmaßnahmen gar nicht möglich.

Aber Amphibienschutz ist weit mehr als das einfache Übersetzen der Amphibien über die Straße. Hinter jedem Einsatz steckt viel Arbeit und Koordination zwischen den Naturschützern und Behörden: von der Bereitstellung und Planung der Zäune über die Planung der Einsatzzeiten der Helfer bis hin zur Beantragung von Geschwindigkeitsbegrenzungen und dem Aufstellen der Beschilderung vor Ort. Eine gute Zusammenarbeit zwischen Behörden und Ehrenamtlichen ist folglich der Schlüssel, um Abläufe zu vereinfachen, Einsätze besser zu koordinieren und gemeinsam Lösungen zu finden. Die regelmäßigen Treffen im Landkreis Hersfeld-Rotenburg und Werra-Meißner-Kreis helfen hierbei sehr.

Schutz für Tiere, Helfer und Verkehrsteilnehmende Die Herausforderungen im Amphibienschutz mit veränderten Wanderrouten und -zeiten, sich zum Teil verschiebenden Lebensräumen, Anpassungen finanzieller Mittel oder neuen Regelungen sind vielfältig. Gerade deshalb ist der Austausch untereinander so wichtig. Da bei den Einsätzen zudem immer wertvolle Bestandsdaten zu den Tieren erhoben werden, sind auch diese Zahlen immer Gesprächsthema beim Runden Tisch. Sie bilden oft die Grundlage für künftige Planungen von Maßnahmen oder auch den Bau stationärer Amphibienschutzanlagen.

Landespfleger Jens Mohr
Jens Mohr vom Sachgebiet Landespflege Eschwege bei Hessen Mobil

Neben diesen regelmäßigen Themen, war ein zentrales Thema des letzten Runden Tischs die Vereinheitlichung der Geschwindigkeitsbegrenzungen, die temporär während der Hauptwanderzeiten der Amphibien an den betroffenen Straßenabschnitten innerhalb der Landkreise gelten sollen. Diese Begrenzungen reduzieren das Überfahren wandernder Tiere deutlich. Außerdem können Kröten, Frösche, Molche und Co. bereits bei zu hohen Geschwindigkeiten durch den Luftdruck verletzt oder getötet werden, selbst wenn sie nicht direkt überfahren werden. „Jeder kann etwas für die Tiere und Sicherheit vor Ort tun, auch wenn es nur darum geht, sich an die Geschwindigkeiten zu halten“, so Jens Mohr. Sehr wichtig sind die Temporeduzierungen eben auch für die Helferinnen und Helfer und die Verkehrsteilnehmenden selbst. Nicht selten kommt es zu waghalsigen Manövern, um den Amphibien auszuweichen. Tote Tiere machen die Fahrbahn zudem rutschig. Mit einer einheitlichen Beschilderung möchte man nun für klare, verständliche Regeln sorgen und die Akzeptanz bei den Verkehrsteilnehmenden für die kurzzeitigen Einschränkungen erhöhen. Da darüber hinaus zeitlich nie klar ist, wann genau die Amphibien ihre Wanderung beginnen, sind auch die ehrenamtlichen Einsätze nicht planbar und die Temporeduzierung muss kurzfristig eingerichtet werden. Eine einheitliche Regelung beschleunigt diesen Prozess.

Für die kommende Saison gilt einmal mehr: Nur gemeinsam können die Schutzmaßnahmen bestmöglich umgesetzt werden und Amphibien, Menschen und Natur profitieren.

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